Was ist ein Aktuar? (Versicherungswirtschaft)
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Was ist ein Aktuar? (Versicherungswirtschaft)

10 Juli 2014

Was ist ein Aktuar? (Versicherungswirtschaft)

Aktuare sind wissenschaftlich ausgebildete Sachverständige, die sich im Versicherungswesen, im Bausparwesen oder der Altersversorgung auf der Grundlage mathematisch-statistischer Methoden mit der Modellierung, Bewertung und Steuerung von Risiken befassen. Insbesondere beschäftigen sie sich mit der Wahrscheinlichkeitstheorie, der mathematischen Statistik und der Finanzmathematik.

Geschichte
Ursprünglich war der Aktuarius (lat. actuarius, „Schnellschreiber bei Verhandlungen“, aus agere, „handeln“) ein Schreiber im römischen Senat. Er war der Protokollführer, jedoch nicht bei einem geheimen Senatsbeschluss („actum tacitum“), der von den Senatoren selbst anzufertigen war. Da der Senat zugleich auch oberstes römisches Gericht war, übertrug sich diese Bezeichnung auf Gerichtsschreiber im Allgemeinen, in Deutschland noch bis ins 19. Jahrhundert, bei kirchlichen Gerichten bis heute. So wird Johann Wierich Schmedding in der amtlichen „Erkundigung über die Gerichtsverhältnisse” in Bochum aus dem Jahre 1714 als Aktuarius beim Stadtgericht aufgeführt.

In England gründete der Mathematiker Edward Rowe Mores (1731–1778) im September 1762 den Gegenseitigkeitsverein „The Society of Equitable Assurance on Lives and Survivorships“, dessen Satzung mit dem „Actuary“ als Vorstandsvorsitzendem ein neues Wort in die englische Sprache einführte. „Actuary“ wurde zu seiner Dienstbezeichnung, so dass er als erster Aktuar im heutigen Sinne gilt.

In der 15. Auflage des Brockhaus von 1928 wurde der Aktuar als die früher im Gerichtswesen gebräuchliche Amtsbezeichnung für Referendare definiert, 1966 wird seine Aufgabe als Versicherungs- und Wirtschaftsmathematiker im internationalen Versicherungswesen erstmals hinzugefügt. In der 20. Brockhaus-Ausgabe 1996 ist der Aktuar dann nicht nur der Gerichtsschreiber und Protokollführer, sondern auch der wissenschaftliche Versicherungs- und Wirtschaftsmathematiker. Durch die Umsetzung der EG-Versicherungsrichtlinien in deutsches Recht im Juli 1994 wurde dem Aktuar – nach dem Vorbild des britischen „appointed actuary“ – sogar eine gesetzliche Grundlage geschaffen.
Rechtsfragen

Nach § 11a VAG hat jedes Lebensversicherungsunternehmen einen Verantwortlichen Aktuar zu bestellen, der zuverlässig und fachlich geeignet sein muss. Fachliche Eignung setzt ausreichende Kenntnisse in der Versicherungsmathematik und Berufserfahrung voraus. Eine ausreichende Berufserfahrung ist regelmäßig anzunehmen, wenn eine mindestens dreijährige Tätigkeit als Versicherungsmathematiker nachgewiesen wird. Wie bedeutsam der Versicherungsaufsicht die Position des Aktuars ist, zeigt der weitere Inhalt der Vorschrift. Der Aktuar muss dem BaFin vor Bestellung benannt werden und wird mit Zustimmung des Aufsichtsrats ernannt und entlassen (§ 11a Abs. 2 und 2a VAG). Er hat nach § 11a Abs. 3 VAG sicherzustellen, dass bei der Berechnung der Versicherungsprämien und der Deckungsrückstellungen die Grundsätze des § 11 VAG und der aufgrund des § 65 Abs. 1 VAG erlassenen Rechtsverordnungen sowie des § 341f HGB (Deckungsrückstellung) eingehalten werden. Dabei muss er die Finanzlage des Unternehmens insbesondere daraufhin überprüfen, ob die dauernde Erfüllbarkeit der sich aus den Versicherungsverträgen ergebenden Verpflichtungen jederzeit gewährleistet ist und das Unternehmen über ausreichende Mittel verfügt.

Die Tätigkeit des Aktuars ist jedoch nicht auf Lebensversicherungsunternehmen beschränkt. Nach § 11d VAG in Verbindung mit § 11a Abs. 1 Satz 1 VAG ist ein Aktuar auch bei der Unfallversicherung mit Prämienrückgewähr, nach § 12 Abs. 2 Satz 1 VAG auch in der substitutiven Krankenversicherung sowie der Schaden-/Unfallversicherung mit Rentenleistungen aus Unfall- oder Haftpflichtversicherungen zu bestellen.

Aufgaben
Ein Aktuar erstellt mit Hilfe von Simulationstechniken mathematische Modelle, mit denen auf Basis einer Vielzahl von analysierten Daten aus der Vergangenheit Zielgrößen für die Zukunft berechnet werden können. Diese sollen Auskunft darüber geben, welches versicherungstechnische Ergebnis für einen laufenden oder künftigen Zeitraum zu erwarten ist und mit welcher Wahrscheinlichkeit Abweichungen von diesem erwarteten Ergebnis eintreten könnten. Im Rahmen der Tarifkalkulation erstellen Aktuare mit mathematischen Methoden Risikomodelle, mit denen die zu versichernden Risiken in einem Portefeuille möglichst realitätsnah abgebildet werden. Aus einem solchen Modell entwickeln sie dann einen Tarif, der die Grundlage für die Prämienbemessung für die Versicherung solcher Risiken darstellt. Seine Aufgaben sind für das Kerngeschäft einer Versicherung essentiell, weil die Versicherungstechnik auf Versicherungsmathematik und deren zahlreichen komplexen Modellen und Formeln beruht. Die Aufgaben des Aktuars beschränken sich nicht nur auf Versicherungen, sondern werden auch im Bausparwesen, der Kapitalanlage, der Altersversorgung und der Rückversicherung benötigt. Aktuare arbeiten meist bei Versicherern, darüber hinaus bei Behörden, in Beratungsunternehmen, in Gutachterbüros, bei Wirtschaftsprüfungsgesellschaften und freiberuflich, etwa als Gutachter oder Treuhänder. Sie prüfen bei Erstversicherern die Absicherung durch Rückversicherungen. Die Ergebnisse ihrer Überprüfungen werden im Jahresabschluss und im Rahmen eines jährlichen Erläuterungsberichts festgehalten.

Beruf
Der Aktuar verfügt über kein geschlossenes Berufsbild, die Berufsbezeichnung ist rechtlich nicht geschützt. Voraussetzung für die Ausbildung zum Aktuar ist eine abgeschlossene mathematische Ausbildung an einer Hochschule. Dieser Hochschulabschluss kann auf Antrag durch einen anderen, gleichwertigen Abschluss (Wirtschaftsmathematik, Statistik, Physik) ersetzt werden. Ansonsten muss zeitlich vor allen anderen Prüfungen eine mathematische Eingangsprüfung (Umfang 90 Minuten) abgelegt werden. Eine weitere Voraussetzung ist der Nachweis über Grundkenntnisse in Wahrscheinlichkeitstheorie und Statistik. Nach den Grundsätzen des ehemaligen BAV werden keine Einwände gegen die Bestellung als Verantwortlicher Aktuar erhoben, wenn er eine mathematische Ausbildung an einer Universität, technischen Hochschule oder Fachhochschule mit Erfolg abgeschlossen hat und er über ausreichendes aktuarielles Wissen verfügt sowie eine lückenlose 3-jährige Praxis als Aktuar nachweisen kann. Er ist ein Fachmann auf den Gebieten der Versicherung und Versorgung, der Finanz-, Versicherungs- und Wirtschaftsmathematik sowie in der Renten- und Vorsorgeberatung.
Aktuariat

In Versicherungen in Deutschland wurden früher in mathematische Abteilungen die Tarife kalkuliert, Reserven berechnet und mathematische Modelle zur Unternehmenssteuerung erstellt. Daraus gingen die heutigen versicherungsinternen Aktuariate hervor. Unabhängige Aktuariate gründeten sich in Deutschland etwas später als in angelsächsischen Ländern. Geleitet wird ein Aktuariat durch den Verantwortlichen Aktuar.

Versicherungen und Rückversicherungen mit eigenen Aktuariaten sind beispielsweise die Allianz, Hannover Rückversicherung, Württembergische Lebensversicherung, Deutsche Rückversicherung AG, Zürich Versicherung, HUK. Es entstanden jedoch auch, zunächst vor allem in angelsächsischen Ländern, selbständige unabhängige Aktuariate. Heute kaufen Firmen aller Art aktuarielle Leistungen für die Berechnung auch ungewöhnlicher wirtschaftlicher Risiken. Sie engagieren dafür entweder große Unternehmensberatungen wie KPMG oder die unabhängigen Aktuariate.

Unabhängige Aktuariate können aus eigenem Überlebensinteresse manchmal die treffenderen Analysen bieten. Zu den international tätigen Aktuariaten zählen die Firmen Towers Watson, hervorgegangen aus dem weltweit ersten Aktuariat R. Watson & Sons von 1878 (siehe: Watson Wyatt) und die US-amerikanische Firma Miliman. Zu den im deutschsprachigen Raum erfolgreichen Aktuariaten zählt Meyerthole Siems Kohlruss.
Berufsständische Organisationen

Aktuare sind national und international in Berufsvereinigungen organisiert, zum Beispiel in der Deutschen Aktuarvereinigung (DAV) e. V., der Schweizerischen Aktuarvereinigung (SAV) oder der Aktuarvereinigung Österreichs (AVÖ). Die internationale Aktuarorganisation ist die International Actuarial Association (IAA). Als Vertretung fast aller Aktuarvereinigungen weltweit koordiniert sie die Anforderungen an Ausbildung, Weiterbildung, Standesregeln und gegenseitige Anerkennung. Zudem schlägt sie Standards zur aktuariellen Tätigkeit vor, die von Aktuaren oder nationalen Aktuarvereinigungen angewandt oder übernommen werden können.

Die im November 2003 gegründete Deutsche Aktuarvereinigung (DAV) e. V. ist eine Berufsorganisation mit strengen fachbezogenen Aufnahmekriterien, eine Mitgliedschaft ist jedoch nicht obligatorisch. Sie hat die Aufgabe übernommen, die notwendige Qualifikation der Aktuare sicherzustellen und bietet ein umfassendes Aus- und Weiterbildungsprogramm an. Mit Aufnahme in die DAV verpflichten sich die Aktuare, den Satzungsregeln der Vereinigung zu folgen. Der Aktuar hat die so genannten „Aktuariellen Grundsätze“ zu beachten. Der erfolgreiche Abschluss der Ausbildung wird mit dem Titel Aktuar (DAV), entsprechend in der Schweiz und Österreich, bestätigt. „Aktuar DAV” gilt für die Berufstätigkeit als interner Titel und Qualitätsmerkmal.



About the Author

Agentur T360°

Olaf Cavalcante (COO): Ich bin seit dem 1. Februar 2014 als COO verantwortlich für das operative Geschäft der Agentur T360°

Seit 1989 bin ich im Bereich Telefonmarketing und Vertrieb tätig. Vom sprichwörtlichen Alleskönner Call Center Manager, habe ich mich zum Spezialisten für die Finanz- und Versicherungswirtschaft entwickelt.

Die Terminvereinbarung bei Firmenkunden bspw. im Segment der betrieblichen Altersvorsorge (bAV) für die Finanz- und Versicherungswirtschaft ist sogleich unser Kerngeschäft. Versicherungsmakler, Versicherungsberater, Rentenberater, ein- und Mehrfachagenten sowie Versicherungsgesellschaften, Banken und Sparkassen, setzen die Agentur T360° gezielt ein, wenn es um die Generierung von Geschäfts- und Industriekunden geht.

Erst recht wenn es um hocherklärungsbedürftige Produkte, wie z.B. das vielschichtige Themengebiet der betrieblichen Altersvorsorge eins darstellt.

Unsere Tiefe und unser gutes Gespür in der Entwicklung von Kommunikationsstrategien, die die Menschen für Themen begeistern und Prozesse zum Ziel führen, nenne ich „themenzentrierte Gesprächsführung“.

Oft ist Zeitersparnis der ausschlaggebende Impuls für die Inanspruchnahme unserer wertvollen Dienste. Denn Effizienz wird mehr und mehr zu dem entscheidenden Erfolgsfaktor. Aber am meisten profitieren unsere Kunden von den professionell vorbereiteten Besuchsterminen.
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Agentur T360 COO olaf Cavalcante

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